Brüder Grimm, 1857 · 1010 mots · niveau B1 · 5 parties
Une histoire à lire au niveau B1 : le texte original (Kinder- und Hausmärchen, Band 1, Göttingen 1857), avec des questions après chaque partie pour vérifier ta compréhension et un court glossaire des mots qui ont changé depuis 1857. Dans l’appli, le tuteur la lit avec toi, pose les questions et explique les réponses.
Partie 1
Es war einmal eine alte Geiß, die hatte sieben junge Geißlein, und hatte sie lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat. Eines Tages wollte sie in den Wald gehen und Futter holen, da rief sie alle sieben herbei und sprach „liebe Kinder, ich will hinaus in den Wald, seid auf eurer Hut vor dem Wolf, wenn er herein kommt, so frisst er Euch alle mit Haut und Haar. Der Bösewicht verstellt sich oft, aber an seiner rauen Stimme und an seinen schwarzen Füßen werdet ihr ihn gleich erkennen.“ Die Geißlein sagten, „liebe Mutter, wir wollen uns schon in Acht nehmen, Ihr könnt ohne Sorge fortgehen.“ Da meckerte die Alte und machte sich getrost auf den Weg.
Es dauerte nicht lange, so klopfte jemand an die Haustür und rief „macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas mitgebracht.“ Aber die Geißerchen hörten an der rauen Stimme dass es der Wolf war, „wir machen nicht auf,“ riefen sie, „du bist unsere Mutter nicht, die hat eine feine und liebliche Stimme, aber deine Stimme ist rau; du bist der Wolf.“ Da ging der Wolf fort zu einem Krämer, und kaufte sich ein großes Stück Kreide: die aß er und machte damit seine Stimme fein.
Glossaire
die Geiß
die Ziege
das Geißlein, das Geißerchen
kleine Ziege, Zicklein
das Futter
Essen für Tiere
auf der Hut sein
vorsichtig sein
der Bösewicht
der böse Kerl
sich verstellen
so tun, als wäre man jemand anderes
meckern
der Laut der Ziege
der Krämer
kleiner Händler
Questions sur le texte
Woran sollen die Geißlein den Wolf erkennen?
An seiner rauen Stimme und seinen schwarzen Füßen.
An seinem großen Maul.
An seinem Geruch.
Warum machen die Geißlein beim ersten Mal nicht auf?
Sie schlafen.
Die Stimme ist rau, also ist es der Wolf.
Sie sehen die schwarze Pfote.
Wozu kauft der Wolf Kreide?
Um seine Pfote weiß zu machen.
Um an die Tür zu schreiben.
Um seine Stimme fein zu machen.
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Partie 2
Dann kam er zurück, klopfte an die Haustür und rief „macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas mitgebracht.“ Aber der Wolf hatte seine schwarze Pfote in das Fenster gelegt, das sahen die Kinder und riefen „wir machen nicht auf, unsere Mutter hat keinen schwarzen Fuß, wie du: du bist der Wolf.“ Da lief der Wolf zu einem Bäcker und sprach „ich habe mich an den Fuß gestoßen, streich mir Teig darüber.“ Und als ihm der Bäcker die Pfote bestrichen hatte, so lief er zum Müller und sprach „streu mir weißes Mehl auf meine Pfote.“ Der Müller dachte „der Wolf will einen betrügen“ und weigerte sich, aber der Wolf sprach „wenn du es nicht tust, so fresse ich dich.“ Da fürchtete sich der Müller und machte ihm die Pfote weiß. Ja, das sind die Menschen.
Nun ging der Bösewicht zum dritten Mal zu der Haustüre, klopfte an und sprach „macht mir auf, Kinder, euer liebes Mütterchen ist heim gekommen und hat jedem von Euch etwas aus dem Walde mitgebracht.“ Die Geißerchen riefen „zeig uns erst deine Pfote, damit wir wissen dass du unser liebes Mütterchen bist.“ Da legte er die Pfote ins Fenster, und als sie sahen dass sie weiß war, so glaubten sie es wäre alles wahr, was er sagte, und machten die Türe auf.
Glossaire
die Pfote
der Fuß eines Tieres
der Teig
Masse aus Mehl und Wasser
bestreichen
mit etwas überziehen
sich weigern
Nein sagen
betrügen
täuschen
das Mütterchen
liebevoll: die Mutter
Questions sur le texte
Woran erkennen die Geißlein den Wolf beim zweiten Mal?
An der rauen Stimme.
An der schwarzen Pfote im Fenster.
Am Geruch nach Kreide.
Warum macht der Müller die Pfote weiß?
Er hält den Wolf für die Mutter.
Er bekommt Geld dafür.
Der Wolf droht, ihn zu fressen.
Warum öffnen die Geißlein beim dritten Mal?
Der Wolf zeigt eine weiße Pfote, und sie glauben ihm.
Die Tür ist nicht abgeschlossen.
Sie hören die Stimme der Mutter draußen.
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Partie 3
Wer aber hereinkam, das war der Wolf. Sie erschraken und wollten sich verstecken. Das eine sprang unter den Tisch, das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Küche, das fünfte in den Schrank, das sechste unter die Waschschüssel, das siebente in den Kasten der Wanduhr. Aber der Wolf fand sie alle und machte nicht langes Federlesen: eins nach dem andern schluckte er in seinen Rachen; nur das jüngste in dem Uhrkasten das fand er nicht. Als der Wolf seine Lust gebüßt hatte, trollte er sich fort, legte sich draußen auf der grünen Wiese unter einen Baum und fing an zu schlafen.
Nicht lange danach kam die alte Geiß aus dem Walde wieder heim. Ach, was musste sie da erblicken! Die Haustüre stand sperrweit auf: Tisch, Stühle und Bänke waren umgeworfen, die Waschschüssel lag in Scherben, Decke und Kissen waren aus dem Bett gezogen. Sie suchte ihre Kinder, aber nirgend waren sie zu finden. Sie rief sie nacheinander bei Namen, aber niemand antwortete. Endlich als sie an das jüngste kam, da rief eine feine Stimme „liebe Mutter, ich stecke im Uhrkasten.“ Sie holte es heraus, und es erzählte ihr dass der Wolf gekommen wäre und die andern alle gefressen hätte.
Glossaire
nicht langes Federlesen machen
nicht lange zögern
der Rachen
das Maul (innen)
seine Lust büßen
sein Verlangen stillen
sich trollen
weggehen
erblicken
sehen
sperrweit
ganz weit
in Scherben
kaputt, in Stücken
Questions sur le texte
Wo versteckt sich das jüngste Geißlein?
Im Ofen.
Unter dem Tisch.
Im Kasten der Wanduhr.
Was macht der Wolf, nachdem er gefressen hat?
Er legt sich draußen unter einen Baum und schläft.
Er läuft zum Brunnen.
Er wartet auf die Mutter.
Wie erfährt die Mutter, was passiert ist?
Sie sieht es durch das Fenster.
Das jüngste Geißlein erzählt es ihr.
Der Wolf erzählt es ihr.
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Partie 4
Da könnt ihr denken wie sie über ihre armen Kinder geweint hat.
Endlich ging sie in ihrem Jammer hinaus, und das jüngste Geißlein lief mit. Als sie auf die Wiese kam, so lag da der Wolf an dem Baum und schnarchte dass die Äste zitterten. Sie betrachtete ihn von allen Seiten, und sah dass in seinem angefüllten Bauch sich etwas regte und zappelte. „Ach Gott,“ dachte sie, „sollten meine armen Kinder, die er zum Abendbrot hinunter gewürgt hat, noch am Leben sein?“ Da musste das Geißlein nach Haus laufen und Schere, Nadel und Zwirn holen. Dann schnitt sie dem Ungetüm den Wanst auf, und kaum hatte sie einen Schnitt getan, so streckte schon ein Geißlein den Kopf heraus, und als sie weiter schnitt, so sprangen nacheinander alle sechse heraus, und waren noch alle am Leben, und hatten nicht einmal Schaden gelitten, denn das Ungetüm hatte sie in der Gier ganz hinunter geschluckt. Das war eine Freude! Da herzten sie ihre liebe Mutter, und hüpften wie ein Schneider, der Hochzeit hält. Die Alte aber sagte „jetzt geht und sucht Wackersteine, damit wollen wir dem gottlosen Tier den Bauch füllen, so lange es noch im Schlafe liegt.“
Glossaire
der Jammer
große Trauer
sich regen
sich bewegen
zappeln
sich unruhig bewegen
hinunterwürgen
mit Mühe schlucken
der Zwirn
fester Faden
das Ungetüm
das Ungeheuer
der Wanst
dicker Bauch
herzen
umarmen
der Wackerstein
großer Stein
Questions sur le texte
Was bemerkt die Mutter am schlafenden Wolf?
Dass sich in seinem Bauch etwas bewegt.
Dass er Kreide gegessen hat.
Dass er verletzt ist.
Was holt das Geißlein aus dem Haus?
Einen Stock.
Schere, Nadel und Zwirn.
Wasser und Brot.
Warum leben die sechs Geißlein noch?
Sie konnten rechtzeitig weglaufen.
Der Wolf hat sie nur versteckt.
Der Wolf hat sie vor Gier ganz hinuntergeschluckt.
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Partie 5
Da schleppten die sieben Geißerchen in aller Eile die Steine herbei und steckten sie ihm in den Bauch, so viel sie hinein bringen konnten. Dann nähte ihn die Alte in aller Geschwindigkeit wieder zu, dass er nichts merkte und sich nicht einmal regte.
Als der Wolf endlich ausgeschlafen hatte, machte er sich auf die Beine, und weil ihm die Steine im Magen so großen Durst erregten, so wollte er zu einem Brunnen gehen und trinken. Als er aber anfing zu gehen und sich hin und her zu bewegen, so stießen die Steine in seinem Bauch aneinander und rappelten. Da rief er:
„Was rumpelt und pumpelt
in meinem Bauch herum?
Ich meinte, es wären sechs Geißlein,
so sinds lauter Wackerstein.“
Und als er an den Brunnen kam und sich über das Wasser bückte und trinken wollte, da zogen ihn die schweren Steine hinein, und er musste jämmerlich ersaufen. Als die sieben Geißlein das sahen, da kamen sie herbei gelaufen, riefen laut „der Wolf ist tot! der Wolf ist tot!“ und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum.
Glossaire
in aller Eile
sehr schnell
zunähen
mit Nadel und Faden schließen
erregen
hier: verursachen
rappeln
klappern
lauter
nichts als, nur
ersaufen
ertrinken
jämmerlich
elend
Questions sur le texte
Warum geht der Wolf zum Brunnen?
Er will sich waschen.
Die Steine machen ihm großen Durst.
Er sucht die Geißlein.
Was hört der Wolf in seinem Bauch?
Gar nichts.
Die Geißlein rufen.
Es rumpelt, weil die Steine aneinanderstoßen.
Wie endet die Geschichte?
Der Wolf ertrinkt im Brunnen, und die Geißlein tanzen vor Freude.
Der Wolf läuft in den Wald.
Die Mutter verzeiht dem Wolf.
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