Deutsche Grammatik · C1
Konjunktiv I in der indirekten Rede: Er sagt, er habe keine Zeit
Die Regel
In Nachrichten, Berichten und formellen Texten wird wiedergegebene Rede im Konjunktiv I markiert; so bleibt klar, dass es die Aussage einer anderen Person ist. Bildung: Verbstamm + e-Endungen: ich habe, du habest, er habe, wir haben, ihr habet, sie haben; „sein“ ist unregelmäßig: ich sei, du seist, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien. Am häufigsten ist die 3. Person Singular (er habe, sie komme, es gebe). Wo der Konjunktiv I mit dem Indikativ zusammenfällt (wir haben, sie kommen), nimmt man den Konjunktiv II (wir hätten, sie kämen) oder „würde“ + Infinitiv. Vergangenheit: Konjunktiv I von haben/sein + Partizip II: Er sagte, er habe nichts gewusst / er sei zu spät gekommen. Zukunft: er werde kommen. Das einleitende Verb steht im Indikativ; danach folgt ein dass-Satz oder ein Hauptsatz.
Beispiele
- Die Ministerin erklärte, die Reform sei notwendig und werde im Herbst beschlossen.
- Der Sprecher sagte, man habe die Anwohner rechtzeitig informiert.
- Die Studierenden betonten, sie hätten keine andere Wahl gehabt.
- Der Zeuge gab an, er habe den Täter genau gesehen.
Aufgepasst
- Der Sprecher sagte, dass er keine Zeit hat. → Der Sprecher sagte, er habe keine Zeit.
In formeller Wiedergabe steht der Konjunktiv I (habe); der Indikativ ist nur in der gesprochenen Sprache üblich. - Sie sagten, sie haben das Haus verkauft. → Sie sagten, sie hätten das Haus verkauft.
„sie haben“ ist im Konjunktiv I identisch mit dem Indikativ; dann weicht man auf den Konjunktiv II aus: hätten. - Die Ministerin sagte, dass die Reform sei notwendig. → Die Ministerin sagte, dass die Reform notwendig sei.
Im dass-Satz steht das konjugierte Verb am Ende, auch im Konjunktiv I. - Er sagte, er habe morgen kommen. → Er sagte, er werde morgen kommen.
Zukunft in der indirekten Rede: werde + Infinitiv. „habe“ + Infinitiv gibt es nicht. - Er sagte, er wäre gestern krank gewesen. → Er sagte, er sei gestern krank gewesen.
Wenn der Konjunktiv I eindeutig ist (sei), hat er in der formellen Wiedergabe Vorrang; „wäre“ kann als Zweifel an der Aussage verstanden werden.
Wo sie im Kurs vorkommt
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